Der Anfang unserer Straßenbahn in Schkeuditz

Ab 1908 erfolgte der Durchstich der Bergbreite für die Trasse zur Schienenverlegung, beziehungsweise das Aufstellen der der Oberleitungmasten vom ehemaligen Endpunkt der Straßenbahn in Lützschena bis nach Schkeuditz. Nebenbei wurden noch auf der Bergbreite steinzeitliche Funde durch den Heimat Freund Hermann Vater sichergestellt.

Die Jungfernfahrt begann am Donnerstag, den 27.10.1910, um 15:00 Uhr am 1909 erbauten Straßenbahndepot in Schkeuditz. Die Bahn war mit Girlanden und der Kaiserflagge geschmückt und die Fahrgäste waren bekannte Schkeuditzer Persönlichkeiten. Die Fahrt ging bis Lützschena und zurück, etwa eine Dreiviertelstunde. Es durfte während der Fahrt auch Zigarren geraucht werden, das hat damals niemanden gestört.

Der eigentliche reguläre Fahrbetrieb begann am darauffolgenden Freitag, 28.10.1910, mit dem Glockenschlag um 6:00 Uhr. Pünktlichkeit war auch damals oberstes Gebot! Der Fahrbetrieb wurde durch die LAAG, die Leipziger Außenbahn Aktien Gesellschaft durchgeführt. Liniennummern gab es noch keine, nur Symbole auf runden Scheiben, die vorne und hinten an der Bahn angebracht waren. Die Schkeuditzer Bahn hatte zwei schwarze und zwei weiße Dreiecke – das Ganze sah aus wie die Zwirnsrollen einer damals sehr gebräuchliche Marke und damit hatte die Bahn auch gleich ihren Spitznamen weg: Zwirnsrolle!

Jungfernfahrt hätte eigentlich ein halbes Jahr eher erfolgen können, aber durch die Landesgrenze in Modlewitz. Zwischen Preußen und Sachsen konnte man sich lange nicht einigen, ob ein preußischer oder sächsischer Fahrer die Bahn führen sollte. Im Endeeffekt hatte der sächsische Fahrer, ebenso wie der preußische eine Extraerlaubnis für die Fahrt über die Landesgrenze. Zudem gab es Streitereien wegen der Grundstücksenteignung entlang der Trassenführung. Der Preis für eine einfache Fahrt von Leipzig über die Landesgrenze in Modlewitz nach Schkeuditz Betrug, damals 20 Reichspfennig.

Quellennachweis:

100 Jahre elektrische Straßenbahn in Leipzig: Vom Zweispänner zur Stadtbahn. Leipziger Verkehrsbetriebe 1996.
Nitzschak, Bernd: 100 Jahre Straßenbahndepot Schkeuditz. Hrsg. v.d. IG Modellbahn Schkeuditz, 2009.
Paul Rasche: Heimatliche Dämmerstunden vom 3.9.1935.

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