Schkeuditzer Museums- und Geschichtsverein e. V.

Erforschung und Verbreitung der Stadtgeschichte von Schkeuditz

Artikelserie "Schkeuditzer Gaststätten zwischen 1500 und 1900"

 

Serie 2 entlang der Mühlstrasse

2. Restauration "Zur Ziegelei" - später "Bürgergarten"

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Anfang des 19.Jahrhunderts erstarkte auch hier in der Region die Bürgerschaft und damit wuchs auch ihr wirtschaftlicher Einfluss. Um die wachsende Anzahl eigener baulicher Maßnahmen abdecken zu können, bauten sich die Schkeuditzer Bürger 1804 eine Kommuneziegelei. Die Ziegelei wurde anschließend verpachtet.

In den Sommermonaten kam es nun vermehrt dazu, dass Stadteinwohner bei einem Spaziergang den Pächter um einen Trunk Bier baten. Die hiesige Brauerschaft gestattete darauf hin dem Pächter der Ziegelei, hiesiges Stadtbier gegen Bezahlung ausschenken zu dürfen. Dies hatte wiederum zur Folge, dass der Stadt eine Beschwerde des Rittergutsbesitzers von Wolffersdorf auf Alt-Scherbitz zuging. Dieser sah darin eine Beeinträchtigung und Schädigung seines Bierausschankes in der Mühle an der Elster. Die Beschwerde wurde abgelehnt!

Im Laufe der Zeit wurde die Ziegelei verkauft und damit in Privathände gegeben. Leider war ihr Betrieb aber wenig erfolgreich: 1864 brannte sie ab und wurde nochmals aufgebaut. 1875 musste die Ziegelei Konkurs anmelden und wurde danach geschlossen.

Aus der ehemals erteilten Erlaubnis, einen Trunk verabreichen zu dürfen, entstand nebenbei eine Schankstätte, die sich zunehmend vergrößerte. Bereits 1867 wurde diese dann vom Pensionär Zuckschwert aus Halle und dem Apotheker Ottomar Weineck aus Schkeuditz übernommen und in der heutigen Gestalt errichtet. Profitiert hat der Ausschank zusätzlich auch von dem Konkurs und der Schließung des dortigen Ziegeleibetriebes im Jahre 1875. Den Namen "Zur Ziegelei" behielt sie bis 1878 und wurde dann in "Bürgergarten" umgenannt. Volkstümlich wurde sie damals auch "Ziegelscheune" genannt. Die ersten erwähnten Wirte waren ein Hr. Barth und nach ihm Karl Haase. Die Wirte wechselten in den ersten Jahren recht häufig und in kürzeren Abständen.

1873 – 1874   W. Bageritz
1874 – Sept. 1875 W. Galle
1875 – Sept.1876 Hr. Semper
1876 – Ende 1877 W. Winzer
1878 – 1883 F. Schallert, der auch Bäckermeister war
1884 – Okt. 1885 A. Kleemann, (der spätere Wirt der Quelle )
Nov. 1885 – 1901 Leopold Hinsche, (bekannt auch unter dem Spitznamen "Onkel").

Ab 1902 war Paul Lippold Wirt, der den Bürgergarten kaufte, ausbaute und modernisierte. Er betrieb das Lokal dann über 30 Jahre. Nach ihm wirkte die Familie Papst und zuletzt Frau Charlotte Papst bis 1975 als Gastwirt.

Überliefert ist auch, dass unter anderem die Gewerkschaften sowie die die SPD gern ihre Feste dort feierten, die KPD ihre Feier zum 1. Mai und auch viele Kinderfeste dort stattfanden.

Heute wird das Gebäude, in der landschaftlich sehr schönen Lage, als Wohnhaus in Privatbesitz genutzt.

Quellen:  Archiv –Stadtmuseum Schkeuditz-

                Zusammenstellung und Vortrag „Schkeuditzer Gaststätten zwischen 1500 und 1900“

               v. Klaus Wagner (Mitglied im Schkeuditzer Museums- und Geschichtsverein)