Schkeuditzer Museums- und Geschichtsverein e. V.

Erforschung und Verbreitung der Stadtgeschichte von Schkeuditz

Artikelserie „Schkeuditzer Gaststätten zwischen 1500 und 1900“

Serie 5 Innenstadt, Bahnhofstraße

1. Restaurant "Restaurant zum eisernen Kreuz" später "Zur Erholung" danach "Zur Heimat" und im Volksmund hieß es die "Laus"

die Laus.kl         die Laus Heimatverein kl

 Versammlung des Heimatvereins: oben: Fam. Kirst, vorn: Häckel, Vater, Geigenmüller, rechts: Paul Rasche   

Es war früher so üblich, dass jede Innung der jeweiligen Zunft ihre wandernden Gesellen einzeln betreute. Dies war bis ins Jahr 1837 auch in Schkeuditz so. In diesem Jahr vereinbarten alle Innungsmeister, dass zukünftig eine zentrale Gesellenherberge diese Aufgabe, zur Erleichterung der einzelnen Meister, übernehmen soll.

So eröffnete der Schuhmachermeister ,Karl Haase, 1837 in der krummen Gasse, der heutigen Ringstraße, eine Herberge für die fremden, durchwandernden Gesellen. In kurzer Zeit wurde die Herberge zum Treffpunkt für alle Handwerksgesellen. Aber auch die Meister trafen sich immer öfter gemeinsam hier. Sie nannten es die sogenannten "Quartale".

Mit der zunehmenden Industrialisierung und dem Wegfall einzelner kleiner Handwerksbetriede, in der sogenannten Gründerzeit, änderte sich auch die Art der Unterkunftsuchenden. Der Zunftbrauch der wandernden Gesellen verblasste, bzw. verschwand ganz. Dafür kamen jetzt mehr und mehr arbeitslose Industriearbeiter, die eine Anstellung suchten. Die Gesellenherberge wurde zunehmend eine Unterkunft für mittellose Pilger der Landstraße. Der Begriff der Landstreicher war geboren. Schnell hatte der Volksmund jetzt den Namen "Laus" für die Herberge gefunden. Große soziale Unterschiede, geprägt von aufkommender Armut und Arbeitslosigkeit, waren eine Erscheinung dieser Zeit geworden. Im Jahre 1884 beschloss die Stadt die Herberge zu einer Verpflegungsstation zu machen und diese zu finanzieren. So erhielten dort z.B. rund 6000 Personen ein Mittagessen und viele bekamen darüber hinaus eine Unterstützung für ein Nachtlager.

1895 übernimmt Carl Kupka die Herberge und macht daraus das Restaurant "Zum eisernen Kreuz"

                                                              die Laus Kupka.kl

Von 1907 bis 1909 betreibt, nach dem Tod ihres Mannes, Auguste verw. Cupka, das Restaurant.

Ab 1910 übernimmt dann Adolf Kirst den Gasthof und nennt ihn fortan "Zur Erholung".

                                             die Laus Erholung.kl

Er führt den Gasthof durch bewegte Zeiten, wie dem 1. Weltkrieg, der Weimarer Republik, der beginnenden Naziherrschaft, bis dann der Gasthof (laut Gewerbeverzeichnis 1926-1952) mitten im 2. Weltkrieg am 30.04.1942 geschlossen und abgemeldet wird.

Später, mit dem Beginn der Lehrlingsausbildung des VEB MAB-Schkeuditz wurden die Räumlichkeiten als Berufschule genutzt. Auch andere Organisationen nutzten die Räume, je nach Verfügbarkeit.

Quellen:   Archiv –Stadtmuseum Schkeuditz-

               Zusammenstellung und Vortrag v. Klaus Wagner

               (Mitglied im Schkeuditzer Museums- und Geschichtsverein)

               „Schkeuditzer Gaststätten zwischen 1500 und 1900“