Schkeuditzer Museums- und Geschichtsverein e. V.

Erforschung und Verbreitung der Stadtgeschichte von Schkeuditz

Ernst Wendt / 70 Jahre MAB- Schkeuditz

Schkeuditz ist seit über hundert Jahren geprägt von den hier angesiedelten Firmen und Gewerbetrieben. Prägend ist dabei vor das Kürschnereiwesen, die Pelzverarbeitung, die Entwicklung der zivilen Luftfahrt, der Flugzeugbau und nach dem Krieg vor allem mit MAB Schkeuditz die Klimatechnik. In diesem Beitrag soll das Augenmerk auf die Person Ernst Wendt und den VEB MAB Schkeuditz, der vor 70 jahren gegründet wurde, gelegt werden. Wer war Ernst Wendt und was hat er mit MAB Schkeuditz zu tun?

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Geboren wurde Ernst Wendt am 10. Januar 1898 in Barth. Er wuchs in einer Arbeiterfamilie auf, besuchte die Realschule in Barth, machte eine Schlosserausbildung und kam nach der Lehre in die kaiserliche Werft in Wilhelmshaven. Seine guten Arbeitsleistungen an entscheidender Stelle in der Werft, bewahrten ihn vor dem Kriegseinsatz. 1918 setzte man ihn in der Wilhelmshavener Seefliegerwerft ein. Hier wurde die Begeisterung für die Flugtechnik geweckt. Von da an widmete er seine weiteren beruflichen Entwicklungen der Flugtechnik. Er machte eine Werkmeisterausbildung in der Stralsunder Luftfahrtgesellschaft und wurde 1927 als Monteur und wenig später als Meister in die Lufthansa-Werft Berlin-Staken übernommen. Von 1929 bis 1932 machte er eine Ausbildung zum Betriebsingenieur. Die Lufthansa hatte seine Fähigkeiten erkannt und schickte ihn 1937 zum Aufbau einer neuen Instandsetzungswert an den Standort Leipzig-Schkeuditz. Seine guten fachlichen Kenntnisse, seine ruhige, besonnene und überlegte Art, seine Hilfsbereitschaft immer darauf bedacht für ein Problem die optimale Lösung zu finden, brachten ihm viel Anerkennung unter seinen Kollegen und Mitarbeitern. Seine Tätigkeit als leitender Ingenieur der Lufthansa Instandsetzungswerft wurde natürlich zunehmend auch von den politischen Veränderungen beeinflusst. Als 1944 bei einem schweren Bombenangriff „seine Werft“ sowie auch die daneben befindlichen Anlagen der „Siebel-Flugzeugwerke GmbH" stark zerstört wurden, traf ihn das vor allem als „Techniker“. Auch sein Haus in der Glesiener Str.1 war bei dem Angriff völlig zerstört worden. Kurz vor Kriegsende starb als letzter Schicksalsschlag seine Frau. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Werftleitung sich bereits abgesetzt und ihm die Verantwortung übergeben.

Nach Ende des Krieges demontierten zuerst die ankommenden Amerikaner und kurz darauf die Russen die noch vorhandene Einrichtungen und Gebäude. Aber bereits am 18.5.1945 wurde aus der früheren Belegschaft der "Deutschen Lufthansa AG" eine "Arbeitsgemeinschaft Flugzeugbau Schkeuditz" mit 45 Kollegen gegründet.

Gemeinsam mit engen Weggefährten konnte Ernst Wendt die Russen davon zu überzeugen, die Demontage zu beenden. So wurden im August 1945 diese ersten Männer von der sowjetischen Militäradministration benannt, die den Wiederaufbau des Werkes in die Hand nehmen sollten. Leiter dieses, weiter unter Sowjetischer Verwaltung stehenden, Betriebes "Flugzeugbau Schkeuditz" wurde Ernst Wendt. Im Mai 1947 wurde dieser Betrieb als Volkseigener Betrieb (VEB) an die Landesregierung Sachsen Anhalt übergeben.

1947 wurde der Betrieb unter der Bezeichnung „Industriewerke Sachsen-Anhalt – Maschinen und Apparatebau Schkeuditz“ eingetragen. Von Juni 1947 bis zur Liquidation 1999 Trug der Betrieb die Bezeichnung "Maschinen und Apparatebau Schkeuditz" - eine der längsten konstanten Betriebsnamen in der DDR!  Ab 1.6.1949 wird Ernst Wendt Werkleiter, 6 Jahre lang war er somit von 1949 bis 1955 Direktor des VEB MAB Schkeuditz

Am 1. Juli 1955 wurden 4 Direktoren für den Aufbau eines Luftverkehrsbetriebes "Deutsche Lufthansa der DDR" berufen. Der 57-jährige Ingenieur Ernst Wendt wurde als Technischer Direktor eingesetzt. Die nun folgenden Jahre bis 1961, geprägt durch technische Rückschläge, innere parteipolitische Auseinandersetzungen und insgesamt großen Problemen im jungen Flugzeugbau der DDR führten auch dazu, dass Ernst Wendt am 1.März 1961 seiner Funktion enthoben wurde. Man versetzte ihn bis zu seiner Berentung 2 Jahre später, an einen untergeordneten Posten in der technischen Flughafenverwaltung. Eine innere Verbitterung und auftretende gesundheitliche Probleme führten bei ihm dazu, dass er viele seiner Kontakte zu früheren Kollegen abbrach. Am 19.Mai 1970 verstarb Ernst Wendt während eines Ferienaufenthaltes in der Nähe seines Geburts- und Heimatortes Barth.

Quellen:
Lehweß-Litzmann, Jörn: Die Gründer der DDR-Luftfahrt. Militärverlag Berlin, 2010. S.79ff.
Stadtmuseum Schkeuditz
Staatsarchiv Leipzig
Aussagen und Berichte von Hinterbliebenen damaliger Zeitzeugen

Abbildung: Archiv GBSL