Schkeuditzer Museums- und Geschichtsverein e. V.

Erforschung und Verbreitung der Stadtgeschichte von Schkeuditz

Artikelserie "Schkeuditzer Gaststätten zwischen 1500 und 1900"

Serie 1 - Rund um den Markt

 

1. Der Ratskeller am Markt bis 1913

 

Obwohl es nicht eindeutig nachgewiesen werden kann, ist davon auszugehen, dass auch in Schkeuditz das Rathaus am oder auf dem Markt seinen Platz gefunden hat. Nur hier durfte das Schankrecht für fremde Biere und Weine ausgeübt werden, welches 1508 durch den Gasthofbesitzer Veit von Schafstädt käuflich erworben wurde. Damit verbunden war auch das Speise- und Garküchenrecht.

Ratskeller

Diese Privileg durfte unter Strafe von keinem anderen Bürger in Schkeuditz missachtet oder hintergangen werden. Dem Amtschösser oblag es, dies zu überwachen und vor allem auch, dass immer genügend Wein und Bier im Ausschank war.

Streitereien und Bürgerzorn sollte damit verhindert werden! Lange Jahre war es Brauch, dass sich einmal im Jahr die Rittergutsbesitzer zum Adelstanz trafen und dazu ein Fass Bier spendierten. Die damalige Bauweise der meisten Gebäude und die sehr einfache und uneffiziente Art der Brandbekämpfung führten immer wieder zu großen Bränden. So wurde 1633 das Rathaus ein Raub der Flammen. 1667 kommt es während eines Gottesdienstes erneut zu einem verheerenden Brand. Innerhalb von 2 Stunden stehen 111 Gebäude, darunter das neue Amtshaus, das Rathaus der kleine Kirchturm und auch die Schulhäuser in Flammen und brennen völlig ab. Im Jahre 1733 wird erneut ein völlig neu gebautes Rathaus eingeweiht.

Bevor 1813 das "Korps von Yorck" in die Völkerschlacht zieht, treffen sich die Offiziere zu einem Frühstück in diesem Ratskeller. Mit Yorcks Trinkspruch es möge sich "Anfang, Mitt und Ende, Herr Gott, zum Besten wende", wird anschließend in feierlicher, ernsterhobener Stimmung in die Schlacht gezogen!

Jahre später werden langsam auch wieder Feste gefeiert und Tanzveranstaltungen durchgeführt. Durch einen Schkeuditzer Aktionsverein kommt es 1841 zum Anbau eines Saales. Die Stadt übernimmt die Schuld von 2200 Talern und wird somit Eigentümer dieses Saales. Im Zuge einer gewissen Liberalisierung tritt am 17. Januar 1845 ein neues Gewerberecht in Kraft. Damit erlicht auch das Vorrecht es Rates zum alleinigen Ausschank von Wein und fremden Bieren. Die Forderung der Stadtverwaltung für eine Entschädigung von 1000 Talern wird mit der Begründung abgewiesen,"das Brauen, Malzen und Verzapfen des Bieres sei eine bürgerliche Nahrung und den Städten zugehörig“!

Überlieferte Wirte von 1694 bis 1913

1694: Andreas Wendrich
1870: Louis Stock (wurde am 21.Juni 1879 vom Blitz erschlagen)
1879-1884 : W. Bergmann
1885-1898 : Oskar Rittweger
1899-1903 : Richard Bergmann
1904-1910 : Oswald Heinze
1910-1913 : Paul Brendel

1913 endet die Geschichte des alten Ratskellers, da das alte Rathaus bis 1913 genutzt wurde und 1920, nach dem der Neubau des heutigen Rathauses am Rathausplatz erfolgt war, abgerissen wurde. Damit verschwand auch der alte Ratskeller am Markt!!!

Quellen:

Archiv –Stadtmuseum Schkeuditz-

Zusammenstellung und Vortrag v. Klaus Wagner (Mitglied im Schkeuditzer Museums- und Geschichtsverein) "Schkeuditzer Gaststätten zwischen 1500 und 1900"

 

In eigener Sache: Ergänzende, autentische Fakten, Episoden und Bilder zu den einzelnen Objekten werden von uns dankbar entgegen genommen.